Willkommen in der Stadt

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Ein trüber, trister Novembertag neigte sich langsam dem Ende zu. Die Sonne, deren Wärme mich zu dieser Jahreszeit lange nicht mehr erreichte, war scheinbar schon stundenlang hinter den Dächern der Großstadt verschwunden. Der Himmel leuchtete trotzdem noch hell. Stattdessen bahnte sich eine, der immer kälter werdenden Nächte den Weg, schleichend, in die vielen Straßen. Diese waren aber keinesfalls leer. Die langen Treppen, die in den Untergrund zu den Bahnen führten, spuckten und verschluckten immer noch in regelmäßigen Abständen Menschen. Menschen, die gerade von der Arbeit kamen und sich auf ihre geheizte Wohnung freuten. Menschen, deren Tag gerade erst begann und wiederum Menschen, die wohl selbst noch nicht so genau wussten, wo sie gerade gelandet waren oder wohin sie die nächste U-bahn bringen würde. Den Reiseführer fest umschlungen, irrten letztere den Bürgersteig entlang.

Dass die Stadt niemals schläft, stimmt. Seinen Wocheneinkauf kann man auch noch um Mitternacht tätigen, Discotheken öffnen über mehrere Tage, öffentliche Verkehrsmittel sind jederzeit erreichbar und die Imbissbude um die Ecke hat sogar wochentags rund um die Uhr geöffnet.

Das war einer der vielen Gründe, die mich mit jungen 19 Jahren von der Provinz in die Großstadt lockten. Nach Berlin.

Mein Name ist Paul. Ich wohne mittlerweile seit guten 4 Jahren in der Hauptstadt. Das mag auf den ersten Blick nicht wahnsinnig lange erscheinen aber es entspricht immerhin 48 Monaten, 1460 Tagen, wovon jeder wiederum 24 Stunden, 1440 Minuten mit sich brachte. Zeit, in der ich immer und immer mehr zu mir selbst gefunden habe, im Gegensatz zu vielen meiner Freunde, die es in ferne Länder verschlagen hatte, wo sie wochenlang mit anderen Reisenden auf Farmen ackerten, um dann endlich einen kleinen Funken der fremden Kultur zu erspähen, bevor es wieder zurück in die Heimat ging. Die Großstadt lehrt einen viele Dinge, manche davon vergisst man wieder ehe der nächste Zug eingefahren ist, und das passiert hier – man glaubt es kaum – in sehr kurzen Abständen, andere bleiben einem für den Rest des Lebens. Und diese sind es, über die es sich zu erzählen lohnt.

Paul

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