Der erste Schnee

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Die Temperatur geht gegen den Nullpunkt, die kahlen Äste der Bäume am Straßenrand neigen sich ruhig im kalten Wind, gegenüber von meinem Küchenfenster beobachte ich eine Taube, die sich, schutzsuchend, im Efeu vergräbt. Es ist soweit, der Herbst neigt sich langsam dem Ende zu.

Berlin ist bekannt für kalte Winter, und schlechtgelaunte Menschen. Das klingt für mich so gar nicht nach einer traumhaften Vorweihnachtszeit, wie sie in vielen alten Filmen, die in New York, London oder anderen Metropolen der Welt spielen, gefeiert wird. Einige Freunde und Bekannte, mit denen ich in den letzten Tagen gesprochen habe, flüchten sich jetzt in einen sonnigen Urlaub oder genießen die festlichen Tage in einer der anderen weltbekannten Großstädte.

An diesem Tag frage ich mich allerdings, warum reisen wir um die halbe Welt, um etwas scheinbar zauberhaftes zu finden, wenn es eigentlich vor der Tür liegt.

Die unzählbaren Weihnachtsmärkte locken mit ihren zimtig, süßen Düften, der Kudamm erstrahlt in einem Lichtermeer und die Schaufenster der Kaufhäuser laden zum bummeln ein.Hunderte von Menschen – wahrscheinlich auf der Suche nach Geschenken – strömen die Einkaufsstraßen entlang, doch ich erkenne kaum ein genervtes oder gestresstes Gesicht. Im Gegenteil, wie ich, erfreuen sich die meisten an der feierlichen Beleuchtung, einem warmen Getränk und den kuscheligen Winterjacken. Zumindest denke ich das, denn wer vergräbt sich nicht gerne in einem dicken Mantel?

Kinder stützen sich mit ihren Händen an den Scheiben des KaDeWe ab, um einen genaueren Blick auf die Dekoration zu erhaschen, Einkaufstüten mit plakativen Nikoläusen strömen an mir vorbei und selbst im Café um die Ecke laufen schon alte Weihnachtslieder.

Die Stimmung wird heute noch gekrönt, als ich aus dem Haus gehe. Die ersten Schneeflocken fallen ganz langsam vom Himmel, legen sich auf meinen Schal und kitzeln mich im Gesicht. Ein weißer Schleier liegt in der Luft, schwingt vom Himmel und tanzt sachte im Wind. Obwohl ich den Winter nie mochte und mich die letzten Jahre kein bisschen weihnachtlich fühlte, kann ich nicht anders, als zu lächeln. Viele Erwachsene sagen, dass die Feiertage mit dem Älter werden an Magie verlieren, dabei ist es doch so leicht diese Zeit zu genießen, wenn man sich nicht vom scheinbaren Stress mitziehen, sondern sich treiben lässt. Man muss nur aus dem Fenster blicken, die Augen offen halten und sich an Kleinigkeiten erfreuen. Dann schafft es das innere Kind auch, den Weihnachtszauber wieder zu erwecken.

Paul

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2 Kommentare

  1. all denjenigen die sich vom Vorweihnachtsstress anstecken lassen, empfehle ich Pauls Geschichte zu lesen! Sie zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht, lässt Kindheitserinnerungen wach werden und lässt einen bewusst werden, wie gut es tut, sich an kleinen Dingen zu erfreuen! Ich freu mich auf die nächste Geschichte!

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