Hometown Glory

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Weihnachten. Wie die meisten Menschen, zieht es auch mich an den Feiertagen in die Heimat, um diese Zeit mit der Familie zu verbringen. Die letzten Vorbereitungen laufen, kurzfristig werden noch Geschenke gekauft, das Menü geplant, oder die letzten Arbeitstage mühselig zu Ende gebracht. Das Jahr neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu, für mich liegt in dieser Zeit immer ein sentimentaler Beigeschmack in der Luft. Als ich heute alleine – ich konnte meinen Alltag in Berlin zurücklassen, hier läuft er allerdings weiter – durch meine Heimatstadt laufe, sehe ich viele bekannte Häuser, Parks und Geschäfte. Erinnerungen werden wach. Erinnerungen, die sich teilweise nicht mehr in der Realität wiederfinden lassen, denn ich bemerke mindestens genauso viele neue Gebäude, geschlossene und neue Läden, andere Menschen und andere Gesprächsthemen.

Ich frage mich, ist es mit unseren Erinnerungen, wie mit der Mode, wo sich alles rasend schnell entwickelt, Balenciaga, Dior und Gucci auf den großen Laufstegen jedes Jahr aufs Neue die Trends präsentieren oder sind es vielleicht doch wir, unsere Wahrnehmung und Gedanken, die sich verändern? Wenn unsere Erinnerungen, wie eine alte Kollektion auf dem Runway sind, sind sie dann längst überflüssig oder kommen sie doch niemals aus der Mode?

Die Stadt hat sich verändert, das ist klar, sie hat sich sogar sehr schnell verändert, denn es ist noch nicht lange her, dass ich jeden Tag durch diese Straßen gegangen bin, jedoch denke ich, immer wenn ich in der Vergangenheit schwelge, dass die Zeit still steht, seit ich umgezogen bin. Umso erstaunter bin ich, als ich vor meinem damaligen Lieblings Buchhandel stehe und in ein leeres Schaufenster blicke. Mir wird klar, dass an diesem Ort die letzten Jahre keinesfalls Stillstand herrschte. Ich überlege, erinnere mich an das Geschäft und frage mich, ob ich es heute überhaupt noch mögen würde. Die Antwort ist Nein. Als ich nachdenke, fällt mir ein, wie furchtbar die Einrichtung war, wie wenig Auswahl es gab und wie überteuert die Preise waren. Trotzdem verbinde ich schöne Momente mit diesem Laden, mein Geschmack hat sich allerdings seitdem geändert. Ich bin ein anderer Mensch, würde mich vermutlich auch nicht mehr in die vergangenen Tage, wie sie in meinem Kopf bestehen, einfinden. Das ist aber auch völlig in Ordnung, an der Klamotte aus meinem alten Kleiderschrank fände ich auch keinen Gefallen mehr. Genauso ist es mit den Häusern und den Menschen, die teilweise nicht mehr in meine Vorstellung passen. Nur weil die Realität von Veränderung geprägt ist, heißt es nicht, dass sie schlecht ist. Ich werde trotzdem immer und immer wieder gerne hierher zurückkommen, ich werde mich immer wieder freuen, denn hier habe ich gelebt und hier bin ich aufgewachsen, die Erinnerungen an diese Tage werden bleiben und neue werden dazu kommen.

Paul

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