„Singleminiert“

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Sei es auf Partys, im Kino oder im Café, immer öfter fällt mir auf, dass sich das Publikum in zwei Arten unterscheiden lässt – Singles und Paare. Während sich das junge Pärchen in der Kneipe in eine ruhige Ecke verkuschelt, beobachte ich offensichtlich betrunkene Alleinstehende an der Bar. Diese Trennung findet auch unterbewusst im Alltag statt, denn es herrschen beiderseits Vorurteile. Während die Einen zu viel Spaß haben, haben die Anderen angeblich zu wenig. 



Wir kennen das alle: Wenn man als einziger Single mit verpartnerten Menschen unterwegs ist kann das genauso anstrengend sein, wie ein Abend, den eine Person, die in einer Beziehung lebt, mit lauter Singles verbringen muss. Meistens fallen dann Sätze wie: »Du wirst doch auch immer älter, hast du immer noch niemanden kennengelernt?« oder von der anderen Seite, »Früher warst du viel lockerer!«

Solche Aussagen steckt man meistens mit einem Lächeln weg und versucht sich nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen. Doch vor kurzem musste ich mir während einer Unterhaltung über den Valentinstag anhören, dass ich diesen Tag nur nicht mögen würde, weil ich alleine bin. Ich wurde also »singleminiert«.

Anschließend kam ich dann doch ins Grübeln, werden wir Singles wirklich von Paaren diskriminiert?

Mir wurde klar, dass es sogar sehr viele Situationen gibt, in denen wir den Kürzeren ziehen. Wir zahlen zum Beispiel mehr Steuern, müssen bei Reisen einen Einzelzimmerzuschlag über uns ergehen lassen und auch die Großpackungen für Familien im Supermarkt sind günstiger. Oft hört man bei Wohnungsbesichtigungen, dass Paare oder Familien vom Vermieter bevorzugt werden und als wäre das nicht genug, ist mir aufgefallen, dass sogar meine Pizzeria ziemlich single-unfreundlich ist. Ich muss jedes mal etliche Gerichte bestellen, um überhaupt auf den Mindestbetrag zu kommen. Es gibt außerdem einen sogenannten »Single Awareness Day«, der dem Valentinstag direkt folgt. Abgekürzt wird dieser auch »S.A.D.« genannt, was übersetzt »traurig« bedeutet.

Warum wird Allein sein immer als Etwas so negatives angesehen?

Es gibt nämlich auch viele Vorteile. Wir haben beispielsweise die Freiheit uns unsere Zeit selbst einzuteilen ohne auf einen Partner Rücksicht nehmen zu müssen. Bei der Wahl des Abendessens oder des Films steht uns niemand im Weg und selbst wenn ich um zwei Uhr nachts noch Pizza bestelle und diese in Unterwäsche auf der Arbeitsplatte sitzend essen möchte, gibt es niemanden, der sich darüber beschwert. Ich kann alle meine komischen Angewohnheiten, die übrigens jeder hat, ausleben, ohne dass es mir peinlich sein muss und selbst wenn ich laut singend durch die Wohnung tanze, gibt es keinen, der sich daran stört.

Doch wenn uns von außen so viele Steine in den Weg gelegt werden, ist es dann an uns, uns selbst etwas Gutes zu tun? Ist es unsere Aufgabe, uns selbst der beste Partner zu sein?

Vor ein paar Tagen kam ich beim Einkaufen an dem Regal mit den Grußkarten, Pralinenschachteln und Rosensträußen vorbei. Ich biss mir auf die Lippe, überlegte kurz und lud schließlich alles in den Einkaufswagen. Die Schokolade war wunderbar, die Rosen zieren meinen Couchtisch und auf der Karte steht geschrieben: »von mir, für mich. Weil diese Beziehung jetzt schon 22 Jahre anhält.«

Paul

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