Love and Order

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Grundgesetz, BGB oder das Strafgesetzbuch – Der Staat gibt uns bestimmte Regeln mit dem Hintergrund der Moral vor. In der Liebe ist das anders, denn Emotionen spielen hier offensichtlich eine große Rolle, dennoch besteht auch die Liebe immer aus Verhandlungen. Diese Gesetze bestimmen wir allerdings selbst.Am Anfang jedes Kennenlernens setzen wir uns unterbewusst an einen Tisch, vor uns ein leeres Blatt, das wir mit jedem weiteren Treffen beschreiben – ein Gesetzesentwurf.

Das Blatt mag anfangs unbeschrieben sein, jedoch dauert es nicht lange bis erste Forderungen, erste Grenzen definiert werden, denn meistens haben wir schon Erfahrungen aus vorherigen Beziehungen, möchten bestimmte Situationen verhindern oder eben dafür sorgen, dass sie eintreffen. Es startet ein Abwägen der eigenen Wünsche mit denen des anderen, Kompromisse werden eingegangen, wiederum andere abgeschlagen. Die Verhandlungen haben begonnen.

Sobald wir jedoch merken, dass unsere Grundsätze oder sogar die gemeinsam erarbeiteten Gesetze verletzt werden, startet der Rechtsstreit. Anstatt aber Anwälte zur Hilfe zu ziehen, versuchen wir auf unser Gefühl zu vertrauen oder befragen Freunde. Wir müssen uns die Frage stellen: Wo hört für uns Gerechtigkeit auf und wo fängt Ungerechtigkeit an? Inwiefern sind wir für die Liebe bereit unsere eigenen Gesetze außer Kraft zusetzen?

Mir wird klar, dass es durchaus Gemeinsamkeiten mit dem staatlichen Gesetz gibt. Der erste Artikel des Grundgesetzes zum Beispiel – »die Würde des Menschen ist unantastbar« – gilt definitiv auch in der Liebe. Ein solches Gesetz lässt sich nicht außer Kraft setzen, doch verlieren wir unsere Würde, wenn wir den Tathergang kennen und trotzdem nicht klagen? Lohnt es sich überhaupt sich die Aussage des Angeklagten anzuhören, wenn es zu keiner Verurteilung kommen kann? Oder sind wir die Verurteilten? Ist unerwiderte Liebe, wie eine Gefängnisstrafe auf Bewährung?

Anders als im Gericht, ist es an uns, unsere Stimme zu erheben, zu sagen, wenn wir etwas als ungerecht empfinden. Wir müssen für uns selbst einstehen, müssen für unsere eigenen Grundsätze kämpfen, denn im Gegensatz zum Rechtswesen, gibt es hierbei keine Bücher auf die wir uns berufen können. Manchmal müssen wir uns eingestehen, dass es das Beste ist, einen Bericht zu beenden bevor wir überhaupt begonnen haben den Hauptteil zu schreiben. Der eine oder der andere Rechtsstreit ist es nicht wert geführt zu werden, wir sollten uns stattdessen geschlagen geben, die Verhandlungen beenden und den Saal mit erhobenem Haupt verlassen. Ich schließe zwar eine weitere Akte, das heißt aber nicht, dass ich nicht bereit bin, wieder vor Gericht zu ziehen, wenn die Zeit reif ist.

Paul

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