Monogaymie

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Partnerschaft, die: »Unter einer Partnerschaft versteht man eine gleichzeitig sexuelle und soziale Gemeinschaft zwischen zwei Menschen.«

Wenn man Menschen danach fragt, was ihnen an einem Partner besonders wichtig ist, bekommt man viele Dinge zu hören: Ehrlichkeit, Humor, guter Sex und vor allem Treue. Doch wenn es dann erstmal soweit ist, eine gemeinsame Beziehung zustande gekommen und die erste Verliebtheit verblasst ist, nehmen es viele doch nicht mehr so genau mit der Monogamie. Besonders homosexuelle Männer sind oft nicht bereit, sich ausschließlich auf einen Partner zu beschränken.

An einem Freitag Abend – der Berliner Himmel ist von dunklen Regenwolken bedeckt, denn das unterstützt die Dramatik – frage ich mich: Warum haben Männer das Verlangen nach Sex mit einer anderen Person, wenn es doch eigentlich einen Menschen gibt, den sie lieben?

Angst. Ich würde behaupten, dass Untreue vor allem aus Angst heraus entsteht.

Angst, seine eigene Freiheit zu verlieren, sobald es auf eine feste Beziehung hinaus läuft. Einschränkungen müssen schließlich möglichst gering gehalten werden.

Angst, seine sexuellen Fantasien und Wünsche nicht mehr frei ausleben zu können. Anstatt mit dem eigenen Partner komplizierte Gespräche zu führen, lässt sich auf zahlreichen Dating Portalen schnell ein anderer, gleichgesinnter Sexualpartner finden.

Angst, sich festzulegen, denn es könnte ja noch jemand besseres kommen. Jemand der lustiger, attraktiver oder intelligenter ist. Der Berliner Homosexuelle des 21. Jahrhunderts ist nur schwer zufrieden zu stellen, schließlich gibt es ein Überangebot an schwulen Männern in dieser Stadt.

Öffnet man Apps wie Grindr oder Tinder, muss man traurigerweise feststellen, dass sich dort selten die große Liebe finden lässt. Stattdessen ist schneller Sex nur wenige Tastenanschläge entfernt.

Sex mit einem Fremden. Was früher ein aufregender, unerwarteter One Night Stand aus den Tiefen einer Diskothek war, ist heute durchgeplanter Geschlechtsverkehr mit einem Profil aus dem Internet. Dabei scheinen die Möglichkeiten grenzenlos: Was früher noch tabu war, ist heute Normalität.

Genau diese Aufregung, dieser Wunsch nach Nervenkitzel ist es, der Männer dazu bringt, ihre Partner für einen kurzen Moment zu vergessen. Als positiver Nebeneffekt lässt sich sogar noch der eigene Wert auf dem großen Markt der Hauptstadt überprüfen. Das eigene Selbstwertgefühl spielt also eine große Rolle, denn während einige zu viel davon haben, haben andere zu wenig. 
Das führt dazu, dass viele Männer eine misstrauische, verzweifelte Grundhaltung pflegen, gleichwohl andere durch bedeutungslosen Sex emotional abstumpfen.

Ich frage mich, sind homosexuelle und heterosexuelle Männer wirklich so verschieden oder ist der Sexualtrieb der gleiche? Fällt Untreue in Hetero Beziehungen nur mehr ins Gewicht, weil Frauen Monogamie weitaus wichtiger ist als Männern? Seit wann steht Abenteuer und Spaß über Geborgenheit und was können wir tun damit wir den Glauben an die Liebe nicht verlieren?

Paul

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1 Kommentar

  1. Nicht nur die Überschrift dieses Beitrags ist gaynial!! Gewagt wird immer tiefgründiger in das jeweilige Thema eingetaucht! Ich liebe Pauls Art zu schreiben!

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